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Husums Trinkwassernetz wird smart

Startschuss gefallen: Husum Netz stattet gesamtes Leitungsnetz mit Sensoren aus. Die gesammelten Daten helfen, Wasser zu sparen, Effizienz zu steigern und Schwachstellen früh zu erkennen.

Husum. Intelligente Sensortechnik hält jetzt Einzug in das örtliche Trinkwassernetz: Die Stadtwerke Husum Netz GmbH (Husum Netz) stattet das Rohrsystem mit insgesamt 25 Sensoren aus. Die gewonnenen Daten helfen nicht nur, den Zustand des Netzes in Echtzeit zu überwachen. Die digitalen Helfer lernen auch eigenständig dazu, erkennen Abweichungen vom Normalzustand automatisch und schlagen rechtzeitig Alarm. "Die Digitalisierung bietet uns immense Möglichkeiten, unser Netz effizienter zu betreiben, die Versorgungssicherheit hoch zu halten und auch unseren Mitarbeitenden in der Netzleitstelle mit entsprechender Software die Arbeit weiter zu erleichtern", erklärt Norbert Jungjohann, Geschäftsführer der Husum Netz. Der Aufbau der flächendeckenden Monitorings des Trinkwassernetzes ist auf fünf Jahre ausgelegt.

"Bisher können wir die Abgabemengen nur an zwei Stellen messen, am Ausgang des Wasserwerks und über die Zähler in den Gebäuden. Der Rest bleibt uns noch verborgen", erläutert Netzmanager Udo Jens, der das Sensorprojekt betreibt. Das ändert sich bereits mit den ersten fünf smarten Messstellen in diesem Jahr, die in den Ortsteilen Rödemis, Mildstedt und Rosendahl eingebaut werden. Sie erfassen künftig zum Beispiel Daten zu Druck, Durchflussgeschwindigkeit, Temperatur und Fließrichtung. "Wir erfahren dadurch in Echtzeit, wie viel Wasser gerade in welchem Gebiet unseres Netzes abgenommen wird und können auch Rückschlüsse auf die Qualität des Wassers in dem entsprechenden Abschnitt ziehen", führt er aus. Auf den Monitoren in der Netzleitstelle, wo die gewonnenen Daten angezeigt werden, lassen sich bereits kleinste Undichtigkeiten in den Leitungen frühzeitig erkennen: "Dann können wir Schwachstellen, etwa an Verbindungsstücken, reparieren, bevor es zum Rohrbruch kommt", sagt Udo Jens.

Versorgung wird smarter. Die smarte Überwachung ist auch deshalb sinnvoll, weil sich Verbrauchsmuster deutlich gewandelt haben, "und das nicht erst in diesem Corona-Sommer, wo Planschbecken  und Pools wie Pilze aus dem Boden wuchsen", sagt Norbert Jungjohann. Als man begonnen hatte, die heutigen Systeme zur Versorgung mit Trinkwasser vor mehr als 40 Jahren auszulegen, ging man von ungebremstem Wachstum aus. Das veränderte Bewusstsein der Kunden beim Umgang mit Trinkwasser führt allerdings dazu, dass das Verbrauchsverhalten sich geändert hat: Heutzutage kommen viele Einrichtungen zum Wassersparen zum Einsatz. Gleichzeitig beschäftigen die veränderten klimatischen Bedingungen die Trinkwasserversorger in ganz Deutschland. Die Hitzeperioden der vergangenen drei Sommer haben abermals Nutzungsmuster verschoben: "Die Abnahmemengen sind nicht mehr so kontinuierlich. Unsere Versorgungsstrategie ist deshalb seit einigen Jahren schon deutlich flexibler als früher", betont Norbert Jungjohann und fügt an: "Die Herausforderung ist weiterhin, die natürliche Ressource Trinkwasser so zu nutzen, dass sie dauerhaft und qualitativ zur Verfügung steht." Dazu setzt der Wasserversorger neben der Datengewinnung aus dem Rohrleitungsnetz an weiteren Stellen an: mit der Entwicklung eines Grundwassermodells, Anpassungen in der Förderung sowie dem Bau neuer Brunnen.